"Arbeiten im Reichtum" 2008 bis 2011

Stephan Huber

Ein performatives Projekt für Bremen von Stephan Huber, Preisträger des Rolandpreises für Kunst im öffentlichen Raum 2006

Von Oktober 2008 bis Oktober 2011 trug ein Mann in unregelmäßigen Abständen zwei illuminierte Kronleuchter durch das nächtliche Bremen. Die Kronleuchter waren an den Enden einer Tragestange befestigt. Der alltäglich gekleidete Mann hatte die Stange auf seinen Schultern liegen und stützte das Gewicht mit beiden Händen ab. Seine Wege durch die Stadt wurden der Öffentlichkeit nicht bekannt. Sie schienen zufällig, systemlos und nicht vorhersehbar. Er kommunizierte nicht, wurde er angesprochen, reagierte er nicht. Er hatte einen langsamen, fast mechanischen Gang. Bisweilen stand er stundenlang auf einem Gebäude oder fuhr auf dem Bug eines Schiffes über die Weser. Er durchstreifte Bauland, er tauchte in einem Pazellengebiet auf oder in den Wohnstraßen eines Stadtquartiers. Er beging keinen Ort zweimal.

Der Kronleuchterträger ist ein archetypisches Bild für Reichtum und Arbeit. Gleichzeitig ist er auch Protagonist einer Heimatkunde der Bremer Stadtlandschaften. Der Mann mit dem Kronleuchter kommentierte und nobilierte die Orte an denen er stand oder die er durchquerte. Und manchmal definierte er sie auch neu. Stadt und Kronleuchterträger verschmolzen zu einem poetischen Bild. In ihrem nächtlichen, unregelmäßigen Zusammentreffen lag etwas seltsam Klandestines in einer funktionierenden Stadt.

1. Rundgang Dezember 2008: Weserufer, Bremen-Woltmershausen
2. Rundgang Januar. 2009: Lindenstraße, Bremen-Gröpelingen
3. Rundgang Februar. 2009: Heimatviertel, Bremen-Walle
4. Rundgang April. 2009: Aalto Hochhaus, Bremen-Neue Vahr Nord
5. Rundgang Mai 2009: Parzellengebiet zwischen Weser und Werdersee, Sielwallfähre
6. Rundgang Juni 2009: Binnenschiff auf der Weser zwischen Weserwehr und Stephaniebrücke
7. Rundgang Dezember 2010: Bremer Innenstadt
8. Rundgang September 2011: Kellogsgebäude, Hansakai, Tabakbörse, Ãœberseestadt-Bremen

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