"Garden of Commons" 2011

Nis Römer

Holz, Farbe, Pflanzen, Erde, ca. 3 m x 4 m 0,70 m

Die Skulptur von Nis Rømer besteht aus vier "Gärten", die auf Gemeinschafts- flächen (Allmenden) in und um Bremen verweisen. Die "Gärten" gehören der Allgemeinheit, sie dürfen frei wachsen und werden von einigen Menschen, die sich dazu bereit erklärt haben, gepflegt. Die "Gärten" bilden eine neue Form des öffentlichen Raums, der allen gehört, der jedoch, um seine Funktion zu erfüllen, gepflegt werden muss. Die Skulptur bezieht sich auf das, was Garrett Hardin in einem 1968 in der Zeitschrift Science publizierten Text als "Tragik von Allmenden" bezeichnet. Die Tragik besteht darin, dass das Individuum versucht ist, gemeinschaftliche Flächen und Ressourcen wie Land, Luft oder Wasser auf Kosten der Gemeinschaft zum persönlichen Gewinn zu nutzen. Beispiele dafür sind die Ãœberweidung gemeinschaftlichen Farmlandes oder das Ãœberfischen der Meere. Ein Auto mehr kann für eine Person von Vorteil sein, aber es schädigt die Atmosphäre. Die Skulptur von Nis Rømer wirft die Frage auf, wie eine Ressource gemeinschaftlich und kommunal sein kann, ohne dass sie überbeansprucht wird. Die Arbeit entstand im Rahmen der Ausstellung "redesigning nature" in der Städtischen Galerie Bremen.

Auf der Skulptur sind folgende Texte angebracht:

Text 1

Elinor Ostrom war die erste Frau, die 2009 den Wirtschaftsnobelpreis zuerkannt bekam. Sie hat einige Prinzipien aufgezeigt, die dringend berücksichtigt werden müssen, wenn gemeinschaftliches Eigentum von Nutzerorganisationen erfolgreich verwaltet werden soll:

1. Die Ressource soll klar definierte Grenzen haben und externe Nichtberechtigte wirksam ausschließen.

2. Regeln und Vorschriften bezüglich des Ge- und Missbrauchs sollen lokalen Bedingungen angepasst sein.

3. Die Nutzer sollen in ihrer Mehrheit an den Entscheidungsprozessen teilhaben.

4. Eine effektive Ãœberwachung soll eingerichtet werden, für die die Nutzer selbst verantwortlich sind.

5. Die Mechanismen der Konfliktlösung sollten preiswert und leicht zugänglich sein.

6. Ein dichtes soziales Netzwerk, Regeln und Verfahren für einen verantwortlichen Gebrauch und abgestufte Mechanismen zur Konfliktlösung sind notwendig.

Text 2

Privatisierung von Land und kommunale Ressourcen können einen positiven Effekt auf den Gebrauch und den Erhalt von Ressourcen haben. Obwohl Privatisierungen andererseits Bedenken hinsichtlich der sozialen Gerechtigkeit aufwerfen, da wahrscheinlich nicht jeder den gleichen Anteil bekommt. Einige Gemeinschafts-bereiche wie die Meere und die Atmosphäre sind darüber hinaus nicht leicht zu privatisieren. Die Situation, in der alles privatisiert ist, mag möglicherweise zu einem kollektiven Verlust der Ressource durch zu geringe Nutzung führen. Private oder staatliche Nutzung können schlechtere Ergebnisse erzielen, als bisherige lokale Verwaltung durch die Nutzer der Allmenden selbst.

Text 3

Die "Tragik der Allmende" ist ein Dilemma, das aus einer Situation heraus entsteht, in der mehrere Individuen im eigenen Interesse handeln. Diese Individuen werden letztendlich eine geteilte begrenzte Ressource erschöpfen, auch dann, wenn klar ist, dass dies nicht im längerfristigen Interesse des Einzelnen sein kann. Garret Hardin beschreibt dieses Verhalten als Tragik, weil es sich aus dem individuellen Handeln zwangsläufig und vorhersehbar vollzieht.

Zurück