"Open Air" 16.19.1993 - 15.11.1993

Singe Kremer

"o.T." s / w-Fotos, je 0,4 m x 0,6 m Singe Kremer war inoffiziell am Ausstellungsprojekt mit einer Fotoserie in der Galerie Gruppe Grün beteiligt. Die Fotografien zeigen Nachtaufnahmen vom Rembertikreisel und dokumentieren einen Zeitraum von drei Jahr

Im Rahmen des Projektes "Open Air" setzten sich zehn KünstlerInnen und Künstlergruppen aus Bremen, Dresden und Berlin mit dem Rembertikreisel auseinander. Der Rembertikreisel mit der Hochstraße am Breitenweg ist das Ãœberbleibsel einer am Protest der Bremer Bürger gescheiterten Stadt- und Verkehrspolitik. In den 1960er Jahren begannen in Bremen verkehrspolitische Planungen und Umsetzungen zum Bau eines inneren Rings einer Stadtautobahn, eines Tangentenvierecks, dessen östlicher Teil eine etwa 120 Meter breite Schneise entlang der Mozartstraße im Ostertor mit Anschlüssen zum Rembertikreisel auf der einen Seite und zu einer neuen Brücke in die Bremer Neustadt auf der anderen Seite werden sollte, die so genannte Mozarttrasse. Durch diese Planungen sollte die bremische Innenstadt weitgehend von Verkehr freigehalten und dem erwarteten steigenden Verkehrsaufkommen Tribut gezollt werden. Die Stadtplanung sah eine völlige Neuordnung der betroffenen Gebiete vor. Neben der neuen Straßenführung sollte eine großflächige Hochhaus-bebauung mit bis zu 28 Stockwerken erfolgen. Es ging nicht um die Einordnung von Straßenzügen eines Stadtquartiers, sondern um Flächensanierung, Totalabriss und Neubebauung. Das alte Ostertorviertel, eine beliebte Bremer Wohngegend mit intakten Wohn- und Sozialstrukturen, sollte dem Erdboden gleich gemacht werden. 1970 scheiterte der Bau am Widerstand der Bürger. Seit dieser Zeit ist der Rembertikreisel eine Restfläche. Inmitten stark befahrener Straßen gelegen, hatte sich der Kreisel in den 1980er und 1990er Jahren zu einer grünen Oase entwickelt, die wegen ihres Wildwuchses und geschützten Lage u.a. als Treffpunkt für Drogenabhängige diente.

Kurz vor der Ausstellungseröffnung wurde die gesamte Grünfläche durch das Städtische Gartenbauamt gerodet, obwohl das Amt Kenntnis von dem Kunstprojekt hatte. Teilweise wurden auch Kunstwerke zerstört. Viele der künstlerischen Statements funktionierten in dem veränderten Kontext nicht mehr. In der Öffentlichkeit gab es vielfachen Protest.

Beteiligt waren: BüroBert, Singe Kremer, Marlene McCarty, John Miller, minimal club, Fritz Rahmann, Aura Rosenberg, Kirsten Starcke, Silvia Steiger, Andreas Walther

Leitung des Projektes: Andreas Wegner

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