Das Programm

Das Programm "Kunst im öffentlichen Raum" wurde 1973 vom Bremer Senat beschlossen und löste die seit 1952 bestehende Kunst-am-Bau-Regelung ab. Bremen ist somit bundesweit die erste Stadt gewesen, die die Kunst im öffentlichen Raum als staatliches bzw. kommunales Kunstprogramm formulierte. Mit neuen aktionistischen Kunstformen, Wandmalereien und Skulpturen sollte der Öffentlichkeit eine unmittelbare und dauerhafte Begegnung mit zeitgenössischer Kunst ermöglicht werden. Dies sollte vor allem in den Stadtteilen stattfinden, deren Bewohner keinen oder kaum Kontakt mit Kunst und Kultur hatten, so zum Beispiel in den alten Industrievierteln und in den in der Nachkriegszeit entstandenen Wohnquartieren. Die Kunst sollte Auslöser ästhetischer, sozialer und kommunikativer Prozesse im Alltag der Menschen sein. Ein wichtiger Aspekt war und ist deshalb auch die kreative Zusammenarbeit von KünstlerInnen und Laien sowie künstlerische Innengestaltung öffentlicher Gebäude und temporäre Projekte.

Der Zeitraum von 1973 bis heute ist eine lange Dauer für ein kunstpolitisches Programm. Das Projekt ist bis heute aktuell und lebendig geblieben, weil es sich den Diskussionen um die Kunst im öffentlichen Raum und ihrer Suche nach der eigenen Möglichkeit niemals entzogen hat. Öffentliche Diskussionen und Kontroversen sind ein fester Bestandteil des Bremer Programms. Künstlerisch ästhetische Gesichtspunkte erfahren dabei die gleiche Gewichtung wie die Verantwortung gegenüber den sozialen Bedingungen und den stadträumlichen und historischen Gegebenheiten der jeweiligen Standorte. Ein Landesbeirat für Kunst im öffentlichen Raum, dem neben Bremer und auswärtigen Kunstsachverständigen, Vertreter der Politik und der Verwaltung angehören, berät die Kulturbehörde in allen Fragen der Kunst im öffentlichen Raum. Über die einzelnen Kunstwerke entscheidet am Ende eine Kunstfachjury. Dabei gibt es jedoch ein transparentes Auswahlverfahren, bei dem die örtlichen Stadtteilbeiräte einbezogen sind.

Vielfältige künstlerische Strategien und Vorstellungen, was die Kunst im öffentlichen Raum und für öffentliche Räume leisten kann, überlagern und überkreuzen sich in Bremen. Es gibt Kunstwerke, die den Stadtteilen ihre eigene Geschichte zurückgeben, das soziale Leben und die Besonderheiten der einzelnen Quartiere thematisieren und so Symbole der Identifikation schaffen. Andere Kunstwerke schaffen durch ihre Eigengesetzlichkeit erst einen Ort oder interpretieren diesen neu. Die KünstlerInnen setzen dabei unübersehbare Gestaltungselemente in Stadt- und Landschaftsräume. Andere KünstlerInnnen sehen ihre Aufgabe eher vorrangig darin, gedankliche Anstöße für eine öffentliche Kommunikation zu geben und neue Wahrnehmungen der öffentlichen Räume anzuregen. Sie schaffen versteckte und manchmal auch listige Eingriffe in das komplexe Zeichensystem der Stadt.

Mehr als vier Jahrzehnte Bremer Programm zeigen, dass die Kunst im öffentlichen Raum wie die Architektur zur inneren Struktur öffentlicher Räume beiträgt. In einer sich ständig verändernden Stadtlandschaft schafft sie historische Sedimente durch symbolische Orientierungen, die den Wandel sichtbar und erlebbar machen.

Rose Pfister, Referentin für "Kunst im öffentlichen Raum" beim Senator für Kultur Bremen

Grundsatzbeschlüsse

Die Bremische Bürgerschaft (Land) beschloss auf ihrer 30. Sitzung am 9.5.1973 auf Antrag der SPD Fraktion vom 19.3.1973 einstimmig die Drucksache Nr. 8/288 „Kunst im öffentlichen Raum“ und löste damit die Kunst am Bau-Regelung von 1952 ab. Die Bremische Bürgerschaft (Stadt) beschloss ebenfalls auf ihrer 20. Sitzung am 7.6.1973 einstimmig diesen Sachverhalt mit der Drucksache 8/202 „Kunst im öffentlichen Raum“:

  • 1,5 % der Kosten von öffentlichen Baumaßnahmen sollen für die künstlerische Gestaltung öffentlicher Räume verwendet werden.
  • Es ist eine besondere Haushaltsstelle „Kunst im öffentlichen Raum“ einzurichten.
  • Die Zuständigkeit für Kunst im öffentlichen Raum wird vom Senator für Bau zum Senator für Kultur überführt.

Die zuständige Deputation für Wissenschaft und Kunst beschloss am 29.1.1974:

  • Die Gestaltungsaufgaben der Kunst im öffentlichen Raum beziehen sich auf öffentliche Plätze, Straßenräume, Grünanlagen, Brücken und auf das Äußere und Innere von öffentlichen Gebäuden.
  • Öffentliche Plätze und öffentliche Innenräume können für zeitlich begrenzte Projekte genutzt werden.
  • Einen Landesbeirat für alle grundsätzlichen Fragen der Kunst im öffentlichen Raum, der aus überregionalen und Bremer Kunstsachverständigen, Vertretern der Künstlerschaft und Vertretern der Deputation für Kultur besteht
  • Der Landesbeirat wird jeweils für eine Legislaturperiode berufen.
  • Ergänzende projektbezogene Nutzer- bzw. Beratergruppen in den Stadtteilen
  • Ein Referat „Kunst im öffentlichen Raum“ beim Senator für Kultur, dem alle fachlichen und organisatorischen Aufgaben übertragen werden

Verfahren

Das Fachreferat für Kunst im öffentlichen Raum hat die Aufgabe einer Grobplanung in konzeptioneller, finanzieller und organisatorischer Hinsicht zu entwickeln. Dies geschieht auf der Grundlage von Anregungen durch KünstlerInnen, Ortsamtsbeiräte, privaten Initiativen und durch zuständige Fachbehörden.

Der Landesbeirat für Kunst im öffentlichen Raum berät den Senator für Kultur und beschließt in Form von Empfehlungen:

  • An welchen Orten Kunst im öffentlichen Raum vorzusehen ist
  • Die einzelnen Maßnahmen
  • Die Höhe der finanziellen Mittel für die einzelnen Maßnahmen
  • Die Form der Ermittlung der künstlerischen Entwürfe (offener, eingeschränkter Wettbewerb oder Direktauftrag)
  • Die Zusammensetzung der jeweiligen Fachjury, die die künstlerischen Vorschläge bewertet
  • Die Fachjury besteht aus Kunstsachverständigen (Fachpreisrichter) und aus Vertretern der Ortsamtsbeiräte, der Nutzer- bzw. Beratergruppen im Stadtteil und der beteiligten Fachbehörden (Sachpreisrichter). Die Kunstsachverständigen sind in einer qualifizierenden Mehrheit.

Die jeweilige unabhängige Fachjury aus Fach- und Sachpreisrichtern entscheidet die einzelnen Wettbewerbe. Sie gibt die Entscheidung als Empfehlung an den Senator für Kultur, der diese wiederum den zuständigen Ortsamtsbeiräten vorstellt. Die Ortsamtsbeiräte sind von den Bewohnern eines Stadtteils gewählte Organe der kommunalen Verfassung Bremens.

Die zuständigen Ortsamtsbeiräte nehmen zu der Entscheidung der unabhängigen Fachjury Stellung. Weicht diese Stellungnahme von der Empfehlung der Jury ab, so gilt „ Die Richtlinie über die Zusammenarbeit der Beiräte und Ortsämter mit dem Senator für Kultur in kulturellen Angelegenheiten vom 4.10.2000.“ Der Senator für Kultur entscheidet das weitere Verfahren.

Das Fachreferat für Kunst im öffentlichen Raum setzt die beschlossenen künstlerischen Maßnahmen organisatorisch um.

Finanzen

Bis 1981 erfolgte die Finanzierung entsprechend der Grundsatzbeschlüsse, allerdings nur mit einem jährlichen Anschlag von durchschnittlich 0,4 % der finanziellen Mittel für öffentliche Baumaßnahmen. Seit 1981 gibt es bis auf einen geringen Rest keine Haushaltsmittel mehr. Ab 1981 übernahm auf Beschluss des Senats der Freien Hansestadt Bremen die Stiftung Wohnliche Stadt Bremen die Finanzierung des Bremer Programms Kunst im öffentlichen Raum mit einem Finanzvolumen von jährlich ca. € 250.000. Diese Mittel werden nicht als Globalsumme zur Verfügung gestellt, sondern müssen für die einzelnen Maßnahmen jeweils gesondert beantragt werden.

Mitglieder des Landesbeirates